Morris: Ein Leben als Hund 10

vom stick1 016Leider ist man bei der Wahl seines Urlaubsorts manchmal nicht ganz zielsicher. So kam es, dass wir im frühen Frühling Familien-Urlaub auf dem Bauernhof machten. Parole: Natur, frische Landluft, malerische Idylle! Und für Morris ein fröhliches Treffen mit der Landbevölkerung…

Ganz blöde Idee – Morris ließ keinen Zweifel daran, wie er das fand. Allein der Anblick, wie er auf spitzen Pfoten über eine Weide stakste, um nur ja nicht in den Dunstkreis eines Kuhfladens zu geraten – ein Großstädter durch und durch. Kein Kampfstier weit und breit, aber überqueren der Fläche ging gar nicht. Morris mühte sich bis ziemlich genau zur Mitte, dann versagten ihm die Nerven ob der auch nach dem schneereichen Winter noch animalischen Präsenz. Er musste weg getragen werden. Erst auf dem Waldweg schien es ihm wieder halbwegs sicher.

Es war eine Zumutung. Allem voran das Hofpferd. Der schwerblütige Haflinger „raste“ immer aus dem Nichts heran und jagte ihm einen höllischen Schrecken ein. Grässlich, diese eingeschworene Truppe Hühner mit dem Kampfhahn an der Spitze. Noch blöder, die Horde frecher Ziegen. Das schöne alte Brot kriegten die, säckeweise. Ein Jammer! Seinen ganzen Mut hat er zusammen genommen, um ihnen einmal ein Stück zu entreißen. Unser morgendlicher Waldlauf erntete sein volles Unverständnis. Lieber wartete er auf das Frühstück in der sicheren Ferienwohnung – Gott sei Dank im 1. Stock! Vom Balkon aus konnte er der tierischen Mischpocke unwirsch seine Meinung bellen. Das einzig Gute an diesen Ferien? Alexanders Mutter Hiltrud war mit. Sie las ihm essens-technisch jeden Wunsch von den Augen ab. Er brauchte die Nervennahrung.

Hiltrud allerdings schoss in unserem Verband ahnungsloser Großstädter den Vogel ab. Eines morgens stellte sie den Bauern auf dem Weg in den Stall zur Rede, warum denn seine Kühe bei dem herrlichen Wetter nicht in der Sonne auf der Weide stehen dürften? Der freundliche Mann legte den Kopf schief und sagt: „Und dann? Dann schauen die mich aber fragend an.“ Es war Anfang April, in der Eifel. Es stand noch kein einziges frisches Hälmchen auf dem ausgelaugten Grund…

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