Morris: Ein Leben als Hund 11

morris sitztDie Lieblingsspaziergänge von Morris sahen so aus: Cool die Straße runter schlendern, das Gebüsch auf weggeworfene Sandwiches checken und bei der Seilerei am Souterrain-Fenster schauen, ob Fuzzi da ist. Der reichte mit tätowierter Hand dann die Kekse raus: „Na Dicker, hast wohl wieder nix gekriegt?“

Im Winter konnte man dann gerne wieder nach Hause. Im Sommer wurde noch konzentriert die Wiese nach Grillwurstresten abgesucht. Ganz klar, Morris war ein Anhänger des zielorientierten Handelns. Einfach nur so raus ins Grüne, das war ihm suspekt. Ein bisschen in den Park ging, aber doch keine Abenteuerspaziergänge in der Wildnis. Fuhr man mit ihm raus aus der Stadt, dann stieg er nur unwillig aus dem Auto… Er blieb lieber erstmal auf dem Parkplatz sitzen und wartete, ob wir es uns nicht anders überlegen…

Einmal kam er wieder erst langsam hinterher getrödelt. An einer Gabelung in Form eines Y hatten wir uns für die spitze Kehre entschieden und beobachteten wie Morris heran schlurfte. Als er uns sah stand Entsetzen in seinem Blick, wir waren auf der anderen Seite des Unterholzes. Todesmutig kämpfte er sich mit angelegten Ohren durch das Gestrüpp voller Gefahren – in seiner Aufregung sah er den Weg nicht. Wir haben uns das Lachen verkniffen und ihn für die Leistung schwer gelobt. Sonst hätten wir gleich umdrehen können, er wäre tagelang beleidigt gewesen…

Auf einem anderen Spaziergang war soviel Contenance nicht drin. Wir waren auf Sylt, es war schönes Wetter und die Strecke herrlich: In eine Wiese war ein kurzgemähter Weg geschnitten und es roch nach Sommer. Morris schritt erstaunlich munter voraus (!) als vor seiner Nase eine Maus vom hohen Gras rechts ins hohe Gras links flitzte… Was dann kam, das war einfach nicht zu toppen: Morris sprang mit allen Vieren in die Luft und quiekte wie ein Ferkel.

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