Profi-Trinker: Der Glühwein dräut …

Verkehrte Welt im Advent
Also, Advent ist nicht meine Jahreszeit. Erstens: Das Wetter deprimiert mich. Zweitens: Ständig schmeißt jemand mit Kalorienbomben nach einem. Und dann auch noch die Glühweinsaison – grässlich! „Ach, den gibt’s doch jetzt ganz wunderbar als Winzerglühwein, und der ist gar nicht so schlecht“, sagt meine Freundin Conni, aber sie stammt auch aus dem Epizentrum aller Weihnachtsmarkttraditionen: Nürnberg! Man muss es ihr also nachsehen … „Von wegen Nürnberg, das Getränk geht zurück bis auf die alten Römer.“ Mein Mann Alexander ist Lateiner: „,Conditum paradoxum‘ hieß der damals hochgeschätzte Stoff und wurde von schönen Jünglingen serviert.“

Conni zieht interessiert die Brauen hoch: „Echt? Und was hatten die so im Angebot?“ Alexander: „Nein, die flotten Jungs haben keine Super Tuscans ausgeschenkt, damals wurde gepanscht, was das Zeug hielt. Die ,widersinnige Bowle‘ des Apicius ist eingekochter Wein mit Honig, Pfeffer, Lorbeer, Datteln, Mastix und Safran.“ Auweia, schreckliche Vorstellung. Über die Weine der Antike liest man ja immer wieder Schauergeschichten, aber das Zeug muss es wirklich in sich gehabt haben. Nun gut, wir freuen uns jedenfalls für die Italiener, dass es mit der Konsolidierung des Christentums auch beim Wein so richtig voranging – und der Vin Santo erfunden wurde. Den sieht die Tradition zwar für die Feierlichkeiten zu Ostern vor, aber das ist mein Elixier gegen die November-Verstimmung, da ist alles drin, was der Mensch jetzt braucht: Süße, Würze, pralles Aroma. Und einen kleinen Keks dazu wird das Kalorienkonto gerade noch verkraften … Wir haben übrigens den 2004 Vin Santo I Veroni (29,50 Euro, www.vinopolis.de) probiert. Der hat ein geniales Mandel- und Karamellaroma – ohne dass was reingerührt worden wäre!et-logo

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