Profi-Trinker: Die Sache mit dem Sti(e)l

Kleiner Stil-Knigge
Der Jahreswechsel ist ja der perfekte Zeitpunkt, ein bisschen über Etikette nachzudenken. Und wenn ich einen Wunsch frei hätte, wünschte ich mir, dass der eine oder andere Weintrinker sich auf einen gepflegten Stil und, ja, auch auf den Stiel besänne. Kurz: Es stört mich, wenn Leute ihr Weinglas unelegant am Kelch grabschen. „Wieso? Ist doch großartig. Wenn was passiert, hat der Detektiv wunderschöne Fingerabdrücke.“ Meine Freundin Conni hat in ihrem Leben eindeutig zu viele Krimis gelesen.

Ich finde fettige Abdrücke am Glas unappetitlich und verstehe außerdem nicht, warum man seinen Wein von idealen 8 Grad beim Weißen und genialen 16 Grad beim Roten auf Körpertemperatur erwärmen wollen sollte. Mein Mann Alexander ist Ästhet und ganz meiner Meinung: „Sieht auch seltsam aus, wenn die Leute ihr Glas mit der Pranke umklammern wie einen Pfosten.“ Genau! Selbst die Mächtigen unter uns, wie die Queen und Obama, kriegen da so einen erstaunlich unbeholfenen Touch. „Alles Psychologie, die machen auf lässig und volksverbunden“, philosophiert Conni in ihr fettfreies Glas: „In den 60ern und 70ern war es doch auch in, den Wein aus dicken Wassergläsern zu trinken, wie die französischen Bauern.“ Stimmt …

Und apropos Frankreich: Hat jemand mal den Neu-Russen Gérard Depardieu das Glas halten sehen? Mit zwei Fingern am tellerrunden Fuß und dann senkt er seinen gigantischen Zinken rein – ein irres Bild. Zum Glück gibt es in der Welt der Schönen und Reichen oder zumindest Berühmten andere Vorbilder. Unser Darling George Clooney zum Beispiel. Den habe ich neulich in einem Magazin ganz elegant das Glas mittig am Stiel halten sehen und Willis Kate kann das auch – ganz im Gegensatz zu ihm. Wir haben an diesem Abend ganz stilvoll den 2012 Höllenbrand Spätburgunder der Geschwister Bossert getrunken, er kostet festliche 30 Euro. www.bossert-gundersheim.deet-logo

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