Lovely Lotte: Karnickeljagd mit Hafenblick

Neulich habe ich gelesen, dass in Hamburg Kaninchen tatsächlich öffentlich, also vonseiten der Behörden gejagt werden. Gesehen habe ich das nicht, aber würde mich nicht wundern. Als schützenswerte Minderheit kann man die – gefühlt – Myriaden von Hopplern die seelenruhig bei helllichtem Tag im Gras herummümmeln schließlich nicht bezeichnen. Mein Hund Lotte ist da ganz im Einklang mit den Behörden. Die müssen reduziert werden. Das Problem ist nur, die sind ganz schön schlau.

Manche sind sogar geradezu raffiniert. Die sichern sich die besten Adressen, zum Beispiel Hanglage mit unverstelltem Elbblick! Und sowas gibt man natürlich nicht so einfach auf… nur weil ein lauffreudiger Vierbeiner meint, er sei auf einem Jagdausflug.

Was war passiert? Wir hatten einen bis dahin entspannten Abend in der Lounge des Riverside Hotels. Gemütliche Sessel, köstliches Sushi, frischer Weißwein, ein bißchen Musik und neugieriges Beobachten, was draußen so vor sich geht… Direkt nach Hause tat nicht Not, wir wollten noch einen kleinen Spaziergang entlang der Promenade über dem Hafen schlendern…

Kaum auf der anderen Straßenseite angelangt huschte allerdings ein eiliger Schatten über das dort noch flach abfallende Gras. Lotte schoß hinterher und die Entspannung fiel abrupt von uns ab. Zum Abrufen war es zu spät. Auch das vom Hundetrainer angeratene „langsam bis fünf zählen und dann bestimmt rufen“. Nichts… Der Hund war weg.

Wir rannten gehetzt auf der Promenade hin und her. Und urplötzlich saß Lotte da, ganz klein kam sie mir vor, verdächtig ruhig, sie atmete ganz seltsam, es war mehr eine Art nach Luft schnappen. Mir blieb vor Angst um sie auch gleich der Atem weg: Tierarzt. Notdienst? Es war schließlich nachts. Die später rettende Nummer der Tierärztin um die Ecke hatten wir damals noch nicht…

Nachtdienst hatte selbstverständlich ein Tierarzt am anderen Ende der Stadt. Alexander brauste durch dunkelgelbe Ampeln, es waren viele auf der Strecke… Auf dem langen Weg nach Wandsbek konnten wir die Sache rekonstruieren: Das gewiefte Karnickel war um sein Leben gerannt und schreckte vor keiner perfieden List zurück. An der fünf Meter hohen Mauer zur St.-Pauli-Hafenstraße hat es sich der näher kommenden Lotte entledigt…

Ein freundlicher älterer Herr wartete auf uns kurz vor Mitternacht in seiner Praxis. Bedenklich mit dem Kopf wackelnd untersuchte er unseren apathischen Terrier nach seinem Suizidversuch. „Schwerer Schock“, sagte er und gab ihr eine Spritze: „Gut das Sie gleich gekommen sind. Das ist wie beim Menschen, unbehandelt kann das tödlich sein.“ Die Schramme an der Pfote wurde desinfiziert, dann waren wir entlassen. Lotte jagt seither nicht mehr alleine, wenn es um Kaninchen geht nimmt sie ihre erfahrene Freundin Selma mit…

 

 

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