Sicher wie im Ford 17m

April 18th, 2014 § 2 comments

vwNeulich war ich in Sachen “Sicherheit” mal richtig platt. Ich hatte einer jungen Mutter angeboten, wir könnten sie im Auto aus der Stadt mit nach Hause nehmen. Sie hatte einen eiligen Termin und war ganz zappelig. Aber: “Nein”, sagte sie mit Nachdruck, “das geht nicht, ich hab das Kind dabei und ihr habt keinen Kindersitz.” Wahnsinn! Da hat mir mein Hirn gleich eine ganze Flut von Bildern abgespielt, die mir klar machten: Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe.

Zum Beispiel sind wir in meiner Kindheit in den Sommerferien immer nach Holland ans Meer gefahren. Erst mit dem Käfer, das war noch von Dortmund aus. Da lag ich hinten in der Kiste! Ja, unter dem “Brezelfenster” (Foto) haben die alten Volkswagen eine eingelassene “Kiste”. Von wegen Kindersitz. Später von Bayern aus reisten wir die ungefähr 650 Kilometer mit dem Ford 17m. Aus heutiger Sicht eher ein Kleinwagen und für damalige Verhältnisse auch nicht grade riesig, wenn es darum ging eine Familie mit sechs Personen zu transportieren.

Aber mein Vater war findig. Die Rückbank wurde komplett ausgebaut und durch das Zelt, die Feldbetten, Schlafsäcke, Handtücher etc. ersetzt. In völliger Fehleinschätzung der Lage fühlten sich meine drei älteren Geschwister eingeklemmt zwischen unserem ganzen Klimbim sicher wie in Abrahams Schoß. Ich residierte vorne mit auf der Bank – stolz wie Bolle zwischen meinen Eltern sitzend oder im Tiefschlaf eingerollt.

Vor Ort und ausgepackt hatte das Fahrzeug dann natürlich was von einem Pick-up – Basismodell. Es war ja völlig entkernt, bis auf die Vorderbank. Das hat uns Kinder aber gar nicht gestört. Wenn ein Ausflug anstand, dann haben wir uns einfach die Campinghocker reingestellt, fertig. Klar wurde mein Vater dann von meiner Mutter streng ermahnt, vorsichtig zu fahren – nur zur Sicherheit …

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§ 2 Responses to Sicher wie im Ford 17m"

  • Liebe Renate! Ja, Wahnsinn, damals Anfang der 1970-er auf der B 12 von München nach Landsberg im DKW F 11 und später im Opel Rekord … Oder Anfang der 1960-er, wir in zwei BMW Isetta (mein Vater und Onkel und Tante), bei Lndau auf der leeren Autobahn … Kürzlich habe ich eine nette Charakteristik unserer Epoche gelesen, 1992 von David B . Morris: low-profile, safer sex, self-centered … und vor allem afraid, könnte man hinzufügen. Darum geht’s den Versicherungen so gut. Früher hat man geraucht und getrunken, sie sind auch früher gestorben, aber irgendwie hat man da noch Lebensfreude verspürt. – Mach’s gut, ich reise Mittwoch mit dem Rad nach Italien, da spürt man diese Lebensfreude noch eher, ciao Manni.

    • admin sagt:

      Ja, Italien … da sind Alexander und ich mal von einem alten Ehepaar in einem Fiat 600 (!) mitgenommen worden. Die steile Straße hoch von Amalfi nach Ravello – unfassbar! Der mit uns 4 voll bepackte Wagen schnaufte im Schneckentempo durch die Serpentinen und wir haben alle so gelacht :)

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