Profi-Trinker: form follows function

Juli 5th, 2014 § 1 comment

Design oder nicht Design
… war in unserer Weinrunde die Frage. Haben Sie auch das Gefühl, dass manche Winzer unter die Verpackungskünstler gegangen sind? „Ja, die werden immer verrückter“, erhitzt sich meine Freundin Conni über die jüngsten Design-Verirrungen: „Flaschen mit überlangem Hals zum Beispiel, die sollten weltweit verboten werden! Neulich hat die ganze Nacht meine Kühlschranktür offen gestanden, weil ich eine von denen da reingelegt hatte. Und das bei den exorbitanten Strompreisen!“

Ärgerlich, aber künstlerisch gesehen noch gar nichts. Ich stand neulich fassungslos vor einer Wein(!)flasche in Herzform. Dabei bin ich durchaus für außergewöhnliche Verpackungen zu haben. So richtig perfekt ist ein Wein ja nur, wenn Innen und Außen im Einklang sind. „Ganz genau, form follows function“, philosophiert mein Mann Alexander. Aber so billig lässt sich Conni nicht besänftigen: „Ach, immer diese coolen Design-Päpste. Das meiste Zeug von denen ist doch total unpraktisch. Ich bin da eher für den Retro-Trend. Der Bocksbeutel zum Beispiel …“

Conni ist Fränkin und zwar so ungefähr in zehnter Generation. Für sie mag das durchgehen, aber ich bin mir nicht so sicher, ob anno 1728 noch oder schon als retro gilt? Egal, sie findet die damals von den Würzburger Stadträten für Qualitätsweine bestimmten bauchigen Beutel optimal. „Die haben Tradition und Stil, Sinn und Verstand.“ Alexander wiegt bedenklich den Kopf: „Rein theoretisch eine originelle Form. Ellipsoid. Aber leider unhandlich.“

Er ist Hamburger und, wenn es um Design geht, völlig unromantisch. Also legt er nach: „Für das Ding brauchst du alles in Spezialanfertigung, vom Kühler bis zum Karton. Im Kühlschrank nimmt es auch viel Platz weg, und was noch schlimmer ist: Man hat immer das Gefühl, da ist weniger drin als in anderen Flaschen.“ Dass das nur gefühlt so ist, haben wir an diesem Abend klären können – mit dem herrlich aromatischen Silvaner, Kabinett, trocken, aus der Bio-Kollektion des Juliusspitals (10 Euro, www.weingut-juliusspital.de)et-logo

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§ One Response to Profi-Trinker: form follows function

  • Als Weintrinker der jüngeren Garde, der sich lieber mit dem Geschmack als mit der Tradition beschäftigt, kann ich mich Alexander nur anschließen. Bocksbeutel sind für mich unpraktisch und überholt. Die Form finde ich optisch auch nicht so unwiderstehlich, dass sie über diesen Mangel hinwegtröstet.

    Und das sage ich als Franke!
    ;-)

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